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Goethe und die Füllwörter
Goethe hatte in seiner Schreibstube eine Liste von hundert Wörtern an der Wand hängen – Überschrift: Füllwörter.
Seine Manuskripte ging er anhand dieser Liste durch und entfernte alle überflüssigen Wörter. Wenn diese Anekdote nicht wahr sein sollte, gut erfunden ist sie. Er veröffentlichte nämlich 1817 eine Liste von Füllwörtern, «welche der Schriftsteller vermeidet, sie jedoch dem Leser beliebig einzuschalten überlässt».
Einige Beispiele daraus:
aber, ohne Zweifel, beinahe, sonst, damals, ungefähr, einigermassen, unmassgeblich, fast, vielleicht, halt , ja ,schon ,wohl, ziemlich
Aus der gesprochenen Sprache sind Füllwörter kaum wegzudenken, sie dienen als Verstärkung gesprochener Worte oder geben Zeichen der Unsicherheit, des Mitgefühls, des Misstrauens. Füllwörter gelten in der Schriftsprache jedoch als überflüssig, da sie nichts zum sachlichen Inhalt einer Aussage beitragen.
Die Kunst besteht darin, mit Fingerspitzengefühl die richtige Menge der Würze zu treffen. Sobald man die Gesprächsebene verlässt, gilt es, vorsichtig mit diesen Wörtern umzugehen. Am besten hebt man sie sich für jene Stellen auf, wo die innere Anteilnahme zutage tritt, wo man die Aussage abtönen möchte oder wo Vorsicht und Höflichkeit erfordern, das Anliegen etwas einzukleiden.
Einige «moderne» Füllwörter
allemal, allenthalben, anscheinend, auch, bekanntlich, dabei, dann und wann, denn, desungeachtet, deswegen, eben, eigentlich, ein wenig, einerseits, entsprechend, fraglos, ganz gerne, ganz und gar, gänzlich, geradezu, halt, hingegen, im allgemeinen, im Grunde genommen, infolgedessen, insbesondere, irgend, irgendwo, ja, jedoch, jemals, lediglich, leider, letztendlich, letztlich, mal, mehr oder weniger, meines Erachtens, mitunter, nämlich, nichtsdestoweniger, offenkundig, offensichtlich, ohne Zweifel, persönlich, schlichtweg, schließlich, schlussendlich, schwerlich, selbstredend, sicherlich, so, sogar, sonst, sowieso, sowohl als auch, sozusagen, stets, trotzdem, überaus, überdies, überhaupt, übrigens, unbedingt, unzweifelhaft, voll und ganz, vollends, völlig, wahrscheinlich, wohl, ziemlich, zudem, zumeist, zuweilen, zweifelsohne
Anregung aus «Duden – Briefe gut und richtig schreiben. Mannheim 2002.»
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