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Sprechstunde für (Jung-)Unternehmer

Der Gewerbeverband berät Basler KMU bei juristischen und betriebswirtschaftlichen Fragen

Der Gewerbeverband Basel-Stadt betreibt eine Beratungsstelle für Basler KMU. Das Beratungsangebot richtet sich speziell auch an Neugründer und Jungunternehmer. Die Sprechstunde soll Unternehmern als Anlaufstelle für betriebswirtschaftliche und juristische Problem- und Fragestellungen dienen. In Fachgebieten also, in denen auch die grösste Nachfrage nach Beratung besteht. Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit per 1. Juni 2004 wurde das Angebot zudem mit grenzüberschreitenden Beratungsthemen ergänzt.

Zahlreiche Anfragen von Firmenneugründern und Unternehmern bestätigen die Notwendigkeit eines solchen Angebots. Trotz der grossen Nachfrage nach Beratung zeigt eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) deutlich auf, dass sich immer noch zahlreiche Unternehmer nur zögerlich extern beraten lassen. Oftmals auch erst, wenn sich die Firma bereits hoffnungslos in einer Sackgasse befindet.

Abbau von Hemmschwellen

Mit der KMU-Sprechstunde ist der Gewerbeverband Basel-Stadt bestrebt, Anlaufstelle zu sein und Beratungs-Hemmschwellen der Unternehmer abzubauen. Die eigentlichen Beratungsstunden werden je nach betriebswirtschaftlichem und juristischem Thema von verschiedenen Beratern betreut. Dieses Team besteht aus Managern und Beratern, die als ausgewiesene Spezialisten jahrelang an der Front ihr fachspezifisches Wissen vernetzt mit anderen Unternehmensgebieten einsetzen konnten. Die Spezialisten stellen ihr breites Know-how zur Verfügung, um zugeschnitten auf das jeweilige Problem zu beraten und pragmatisch zu vermitteln. Der Unternehmer erkennt verständlicherweise die Probleme, welche sich aus den Arbeitsverhältnissen ergeben, meist zu einem früheren Zeitpunkt als etwaige betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten in seiner Firma. Daher wird das Arbeitsrecht auch als Schwerpunktthema nachgefragt. Oft stellt sich für den Firmeninhaber die Frage, wie mit «schwierigen» Arbeitnehmern umgegangen werden soll. Fragen zur Ausgestaltung von Arbeitsverträgen, Lohnfortzahlungspflichten, Konkurrenzklauseln, Auflösung des Arbeitsverhältnisses und Kündigungen zur Unzeit stehen zuoberst bei den nachgefragten arbeitsrechtlichen Themen.

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht

Es versteht sich von selbst, dass durch das tägliche Geschäft eines KMU das Vertragsrecht (Obligationenrecht) unvermeidbar tangiert wird. Offertstellungen, Auftragsbestätigungen, Werkverträge und die daraus entstehende Erfüllungspflicht sowie Mängelrügen und Garantien bilden weitere wichtige Bestandteile der Beratungsgespräche. Es zeigt sich deutlich, dass das Kleingedruckte in einem Vertrag nicht übersehen werden sollte und sich die Meinung eines Experten in jedem Fall lohnt.

Als Folge des Vertragsrechts wird dem Unternehmer beim Einfordern seiner geleisteten Dienste und gelieferten Materialien auf dem Rechtsweg Unterstüzung bei der Handhabung des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts angeboten. Weitere behandelte Themen sind die Nachfolgeregelung, das Ehe- und Konkubinatsrecht und der Markenschutz. Das Juristenteam bietet im Weiteren auch Hilfestellung im Aufsetzen von Schreiben an Behörden, Gerichte und Arbeitnehmer an.

BWL-Aspekte oft unterschätzt

In Beratungsgesprächen stellen wir nicht selten fest, dass die betriebswirtschaftlichen Aspekte in manchen KMU unterschätzt und vernachlässigt werden. Dies wohl deshalb, da sich die negativen Auswirkungen meist erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. Die Folge davon sind eingeschränkte Entscheidungsspielräume oder eine stark reduzierte Handlungsfähigkeit. Daher geht es in den betriebswirtschaftlichen Beratungsstunden mehrheitlich um die Bewältigung von Krisen (reaktive Massnahmen), welche durch frühzeitige Inanspruchnahme von externer Hilfe oder Beratern (proaktive Massnahmen) oft hätten verhindert werden können.

Bei den Beratungen geht es meist nicht um Einzelprobleme, die einfach zu etikettieren und einem Beratungsschwerpunkt zugeordnet werden können, sondern meistens um einen Mix an Fragen und Problemen, welche im Gespräch mit den Beratern zu Tage treten. Dabei hat sich gezeigt, dass dank der Kompetenz der Berater in den meisten Fällen schon in der ersten Sprechstunde gute und schnell umsetzbare Ergebnisse erzielt werden können. Vereinzelt werden die Berater von den Klienten auch für zusätzliche, vertiefende Beratung und Unterstützung beigezogen.

Die häufigsten betriebswirtschaftlichen Probleme und Fragestellungen, welche in der KMU-Sprechstunde auftreten, betreffen die folgenden Bereiche:

Finanzierung von Investitionsvorhaben, Wachstumsprojekte
Bewältigung von Liquiditätsengpässen
Problembewältigung zwischen Eigentümern/Verwaltungsräten
Vorgehen für die Suche nach Investoren, strategische Partnerschaften
Unternehmensbewertung für Nachfolgeplanung
Markterschliessung/Marktbearbeitung im In- und Ausland
Firmengründungen (Rechtsformen, Statuten, Businessplan usw.)
Zweitmeinungen zu Geschäftsideen, Strategie-Optionen und Konzepten
Standortfragen im Kontext mit Steuern und Arbeitsrecht
Zweitmeinungen zu Fragen der Unternehmensführung (Coaching)

Fragen über Fragen also, mit denen sich Jungunternehmer und Firmenneugründer auseinander setzen müssen. Sobald die Entscheidung einmal steht, eine Firma zu gründen, lassen auch die ersten Schwierigkeiten nicht lange auf sich warten. Seien dies Fragen zur Wahl der geeignetsten Rechtsform, Nutzwertanalysen zu Standortfragen, Abklärung der MwSt.-Pflicht, Deklaration der Einkommenssteuer und als Schwerpunkt bei fast jeder Start-up-Beratung, Fragen der Unternehmungsfinanzierung. Speziell bei der Mittelbeschaffung verifizieren die Berater Businesspläne, damit sich die Chancen der KMU vergrössern, Kreditzusagen von Banken zu erhalten.

Trinationales Netz von Beratern

Aufgrund der unmittelbaren Lage des Stadtkantons zum grenznahen Ausland und umso mehr seit der Einführung der Personenfreizügigkeit seit 1. Juni 2004 wurde die KMU-Sprechstunde mit grenzüberschreitenden Beratungsthemen ausgebaut. Beratungen zu allen für den Grenzraum «Frankreich-Deutschland-Schweiz» relevanten Themen wie grenzüberschreitender Waren- und Dienstleistungsverkehr, Gründung von Niederlassungen, Steuervertretungen sowie Unterstützung bei Problemen mit Behörden werden angeboten. Die Berater für diese Bereiche befinden sich vor Ort im jeweiligen Land und sind daher mit den regionalen Gegebenheiten und vor allem den Gesetzen bestens vertraut. Ziel des Beratungsnetzes ist es, den KMU als kompetenten Partner und Ratgeber bei Fragen im grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr zur Seite zu stehen.

Standortförderung für den Kanton

Der Gewerbeverband Basel-Stadt will mit dieser Beratungsstelle einen Beitrag für den Kanton Basel-Stadt als Wirtschafts- und Firmenstandort leisten. Nicht nur junge Selbstständige, auch «alte Hasen» nutzen das Angebot, wenn sich Frage- oder Problemstellungen ergeben. Teils nutzen die Sprechstundenbesucher das Angebot auch, um eine erste Einschätzung oder eine generelle Information zu erhalten. Mit dieser Dienstleistung schliesst der Gewerbeverband Basel-Stadt eine Lücke: Seit Dezember 2002 bietet er diese zentrale Anlaufstelle im Beratungsbereich an. Aufgrund der Rückmeldung zahlreicher Sprechstundenbesucher ist klar zu entnehmen, dass bereits mit einer Erstberatung eine wichtige Hilfestellung geleistet wird, um frühzeitig den Weg in eine mögliche Sackgasse zu verhindern.

Nicht nur Jungunternehmer nehmen die Beratungsdienste des Gewerbeverbandes Basel-Stadt gerne in Anspruch, sondern auch etablierte Firmen. Seit dem 1. Juni 2004 bietet die KMU-Sprechstunde auch Beratungen zu allen fürs Business im Grenzraum «Frankreich-Deutschland-Schweiz» relevanten Themen an.

Mehr zur KMU-Sprechstunde und Online-Anmeldung

Dieser Artikel ist erschienen in der Basler Zeitung, Stellefant, am 02.04.2005.

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