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Leistungsabbau im Alter – tatsächlich?
Fortschritte in der Medizin, ausgewogene Ernährung und gute Bildung haben zu höherem Lebensalter geführt, einer grossen gesellschaftlichen Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Paradoxerweise wird in eben dieser Gesellschaft das Älterwerden aber oft mit negativem Unterton belegt.
Und die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. In den nächsten Jahrzehnten wird die demographische Alterung fortschreiten. Parallel dazu steigt das Durchschnittsalter der berufstätigen Bevölkerung. Wer das steigende Durchnittsalter der Bevölkerung ernst nimmt, weiss, dass ein Umdenken stattfinden muss. Die Ressourcen der Älteren müssen besser erkannt und genutzt werden.
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Nach wie vor halten sich mancherorts hartnäckige Vorurteile, beispielsweise das Ältere unflexibel und weniger leistungsfähig sind oder das Fähigkeiten wie „Übersicht“, „Zuverlässigkeit“, „Lernen von Neuem“, „Sorgfalt“ und „Geduld“ abnehmend sind. |
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Als positive Eigenschaften werden einzig „Erfahrung“, „Ausgeglichenheit“ und teilweise „Wissen“ attestiert. |
Ein höheres Lebensalter kann aber nicht generell mit einer Leistungsabnahme gleichgesetzt werden. Bedenkt man, dass viele ältere Persönlichkeiten verantwortungsvolle Posten in Regierungen, Verwaltungsräten und Universitäten bekleiden, kann von defizitären Leistungen im Alter keine Rede sein. Es kann aber auch nicht davon ausgegangen werden, dass die Leistung mit dem Älterwerden kontinuierlich zunimmt.
Leistungsfähigkeit: insgesamt konstant
Unbestritten ist, dass sich Fähigkeiten im Alter verändern, die Gesamtleistung ist aber mit jener jüngerer Mienschen vergleichbar. Konzentrieren wir uns mal auf die generellen Vorteile, die ältere Mitarbeitende in der Regel mit sich bringen:
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Ältere verfügen über reichere Lebens- und Berufserfahrung und über ein grösseres betriebsspezifisches Wissen. |
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Reifere Menschen handeln in der Regel pflicht- und verantwortungsbewusster, überdenken Entscheidungen sorgfältig und stützen sie auf breitere Erfahrung ab, was oft zu einem differenzierteren Urteil führt. |
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Mit der Lebens- und Berufserfahrung nimmt ebenso die emotionale Ausgeglichenheit zu. |
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Ältere Führungskräfte zeichnen sich auch durch Zuverlässigkeit und Qualitätsbewusstsein aus, was sie beispielsweise zur Arbeit im Qualitätsmanagement prädestiniert. |
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Ältere tendieren zu mehr Genauigkeit und arbeiten dadurch möglicherweise langsamer, aber qualitativ hochwertiger. Wenn man bedenkt, wieviel Zeit man bei gewissen Tätigkeiten damit verbringt, Fehler zu korrigieren, bringt diese Veränderung Vorteile mit sich. |
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Die höhere Kooperationsfähigkeit im reiferen Alter ist darauf zurückzuführen, dass ältere Menschen in der Regel mehr an stabileren und tieferen Beziehungen interessiert sind und ihre Menschenkenntnisse ausgeprägter sind. |
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Bei Älteren ist die individuelle Betroffenheit bei belastenden Situationen oft weniger hoch, sie nehmen Konflikte oder Kritik weniger persönlich. |
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Die Loyalität gegenüber dem Unternehmen nimmt mit dem Alter in der Regel zu. Man fühlt sich mit dem Unternehmen mehr verbunden und weist eine gute Arbeitszufriedenheit aus. |
Unterschiede bei den Personen
Wir wollen das Alter nicht hochjubeln, denn es wäre Augenwischerei, wenn wir bei älteren Mitarbeitenden nur Vorteile erkennen könnten. Denn überall dort, wo körperliche Fitness gefragt wird, wo die physische Belastung gross ist oder wo hohe Geschwindigkeit erforderlich ist – sei es in der Informationsaufnahme, bei der Verarbeitung oder im Reaktionsvermögen -, dort bekunden die älteren Mitarbeitenden in der Regel mehr Mühe.
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Manche halten sich bis ins hohe Alter fit, während bei anderer Mitte 40 bereits die ersten chronischen Gesundheitsschäden auftreten. |
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Chronische Erkrankungen steigen sowohl mit dem Alter als auch mit dem Ausmass der Beanspruchung an, wobei das Ausmass der Beanspruchung die grössere Rolle spielt als das Alter. Müssen physisch besonders schwere oder psychisch sehr belastende Arbeiten ausgefürht werden, steigt das Risiko eines frühzeitigen gesundheitlichen Verschleisses. |
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Etwas unterschätzt, aber nicht weniger entscheidend ist die Bereitschaft, sich flexibel auf neue Situationen einzustellen, sich weiterzuentwickeln und wo nötig Anpassungsleistungen zu erbringen. Hier gibt es gewaltige Unterschiede zwischen älteren Mitarbeitenden. Zeigen die einen bis zur Pensionierung eine hohe Flexibilität und grosse Neugierde an Neuem, beschränken sich die anderen auf Gewohnheiten und wehren sich gegen Neuerungen. |
Generell kann gesagt werden, dass für ein zufriedenes und gesundes Älterwerden ein positives Bild von sich selber zentral ist, ebenso wie die Überzeugung, etwas bewirken zu können.
Grafik Verlängerte Lebensperspektiven (JPG 89 KB)
Philipp Spichty
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